Rot: Bildschirmmodus. Ändern durch Click
Religion und Gesellschaft


2. Religion und Staat

2. Religion und Staat
stabil verbunden

Auf der von Menschen noch dünn besiedelten Erde erwies sich ihr Leben in der Natur und als Teil der Natur als erstaunlich stabil. Vielleicht schon über 200 000 Jahre lebte der Homo Sapiens als Jäger und Sammler in Afrika und seit etwa 40 tausend Jahren auch in Asien und Europa.  Die Erfindung der Landwirtschaft vor etwa 12 000 Jahren in Mesopotamien wurde zum radikalen Bruch mit dieser langen Tradition. Die besser ernährte Bevölkerung wuchs und die nun sesshafte Lebensweise erforderte eine Verwaltung über große Gebiete. Vermutlich entstanden dort erste Stammesreligionen unter der Herrschaft von Priesterfürsten, wie wir sie aus späteren Epochen kennen. Kultplätze und Grabbeigaben aus dieser Zeit lassen ihre Glaubensformen aber erst erahnen.  Die Religion ist sicher älter, aber auch ihre Verbindung mit staatlicher Herrschaft reicht bis in diese Zeit zurück.

Unsere frühen Vorfahren lebten in Stammesgemeinschaften. Sie fühlten sich ähnlich eng mit ihrem Stamm verbunden, wie mit ihrer Familie (In manchen Regionen ist dies noch heute zu beobachten). Entsprechend grenzten sie sich von anderen Stämmen ab. Im Fall von Konflikten war deshalb die kollektive Sippenhaft allgemein üblich. In solchen Verhältnissen konnte selbst ein fürsorglicher Priesterfürst keine religiöse Toleranz üben, denn bei nur einem individuellen Verstoß gegen die Stammesreligion drohte der Zorn des Stammesgottes dem ganzen Stamm.  Es lag nahe, solche Glaubenszwänge auch als politisches Machtmittel einzusetzen. Davon wurde schon früh und systematisch Gebrauch gemacht. Der Monotheismus war wohl schon von Beginn an auch die Ideologie der Monarchen.

Die römischen Kaiser wussten, dass ihr Vielvölkerstaat allein militärisch nicht beherrschbar war. Sie nutzten die Staatsreligion zur Stütze der politischen Macht. Während die Römer selbst noch viele Götter verehrten, erlaubten sie dies auch den Völkern ihrer Kolonien, sofern diese zugleich dem römischen Staatsgott durch regelmäßige Opfer ihre Ehrfurcht bezeugten. Den monotheistischen Juden galt aber die Tempelsteuer von einem Zehntel ihres Jahresertrags als Opfer an ihren Gott. Steuern an die Römer war ihnen deshalb, neben dem politischen Ärgernis, auch aus religiösen Gründen nicht möglich. Die Forderung führte unausweichlich zum Konflikt und schließlich zur Vernichtung des jüdischen Staats. Auch die pragmatischeren Christen („So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist“ Matthäus 23,3) wurden periodisch verfolgt, bis Kaiser Konstantin I. (285-373) den christlichen Monotheismus zunächst tolerierte und ihm dann den Weg zur Staatsreligion ebnete. Unter seinen Nachfolgern entwickelte sich daraus die stabile gegenseitige Stütze von religiöser und politischer Macht. Die Allianz überstand manche Rangkämpfe und prägte Europa unter Königen und Kaisern „von Gottes Gnaden“ auf Jahrhunderte. Selbst unter demokratischer Herrschaft ist sie noch erkennbar, als Gottesbezug in der deutschen Verfassung und als Privilegien, die der Staat den Kirchen trotz formaler Trennung weiter zugesteht. 


Nächstes Kapitel: Weltbild im Wandel



Impressum     Site Map

Powered by ProcessWire Open Source CMS/CMF